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Klimawandel

Landessynode Mai 2008: Schwerpunktthema "Bewahrung der Schöpfung"

Landeskirche startet „Klimaoffensive“

Speyer. Die Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) startet eine „Klimaoffensive“. Ziel ist es, den Energieverbrauch in den kirchlichen Gebäuden deutlich zu senken. Eine entsprechende Resolution beschloss die Landessynode an ihrem zweiten Verhandlungstag mit dem Schwerpunkt „Bewahrung der Schöpfung“.

Um die in der Klimaoffensive formulierten Ziele zu erreichen, soll Schritt für Schritt in der gesamten Landeskirche ein Energiemanagement eingeführt werden. „Es ist zu befürchten, dass der Klimawandel die Armen auf unserem Planeten besonders hart treffen wird. Untersuchungen machen deutlich, dass Veränderungen umgehend notwendig sind, um die katastrophalen Folgen des Klimawandels zu vermeiden oder zu mildern“, heißt es in der Beschlussvorlage, die von Oberkirchenrat Gottfried Müller und Oberkirchenrätin Karin Kessel eingebracht wurde.

Ökologie und Ökonomie seien kein Widerspruch, erklärt die Umweltbeauftragte der Landeskirche, Bärbel Schäfer. Allein durch eine Veränderung des Nutzerverhaltens ließen sich 15 Prozent des Energieverbrauchs einsparen. Mit Energieberatung und Energiemanagement sowie möglichen Investitionen in entsprechende Technologien seien längerfristig 20 bis 25 Prozent der Energiekosten einzusparen, so Oberkirchenrat Gottfried Müller.

Die Klimaoffensive sieht unter anderem den Einsatz von eigens geschulten „Energiebeauftragten“ in den Kirchengemeinden vor. Sie sollen sowohl den Verbrauch erfassen als auch darauf achten, dass nicht zu viel Energie verbraucht wird. Zur Vorbereitung von Investitionen sei eine Energieberatung unerlässlich, heißt es in der von der Landessynode beschlossenen Klimaoffensive weiter. Bevor kirchliche Immobilien energetisch saniert würden, müssten sie untersucht und der Einsatz und die Gewinnung regenerativer Energie geprüft werden. Die notwendige Kosten-Nutzen-Analyse für investive Maßnahmen soll von entsprechend qualifizierten Energieberatern durchgeführt werden. Amortisieren sich die vorgeschlagenen Maßnahmen innerhalb eines Zeitraums von 10 bis 15 Jahren, könne ein Antrag auf Mitfinanzierung gestellt werden, so der Beschluss.

Darüber hinaus ermutigt die Landessynode Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen weiterhin, an dem Umweltmanagement „Grüner Gockel“ teilzunehmen. Als erste Gemeinden in der Evangelischen Kirche der Pfalz erhalten die protestantische Kirchengemeinde Ellerstadt und die Matthäuskirchengemeinde Landau-Wollmesheimer Höhe das Zertifikat „Der Grüne Gockel – Kirchengemeinde mit umweltgerechtem Handeln“.

Zudem beteiligen sich das Protestantische Bildungszentrum Butenschoen-Haus Landau und die Jugendbildungsstätte Martin-Butzer-Haus Bad Dürkheim an dem Projekt der pfälzischen Landeskirche zur Einführung eines erfolgreichen Umweltmanagementsystems in Zusammenarbeit mit der Kontaktstelle für Umwelt und Entwicklung (KATE) in Stuttgart. „Bewahrung der Schöpfung“ und Klimawandel seien ideale Themen, um in der Synode verhandelt zu werden.

Das Schwerpunktthema gehe Fragen auf den Grund, „die uns in der Gesellschaft beschäftigen“, so Kirchenpräsident Eberhard Cherdron. So auch der Frage, „was tut ihr als Kirche?“. Hier würden auch ganz pragmatische Vorschläge formuliert. „Das ist eine Linie, die uns als Kirche gut ansteht“, so der für Umweltfragen zuständige Oberkirchenrat Gottfried Müller.

„Diese Synode wollte Christian Schad zum Kirchenpräsidenten, und so hat sie sich auch verhalten“, kommentierte Synodalpräsident Henri Franck vor der Presse die breite Zustimmung der Landessynode zur Wahl des einzigen Kandidaten für die Nachfolge des noch bis Ende November amtierenden Kirchenpräsidenten, Eberhard Cherdron. Weiteres „Highlight“ des ersten Verhandlungstages: Der Besuch von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann. Für die guten Kontakte, die in Kürze beim nächsten „Gipfeltreffen“ zwischen Domkapitel und Landeskirchenrat bekräftigt werden, könne man dankbar sein, so Kirchenpräsident Cherdron. (30.05.08)

Einführungsvortrag von Oberkirchenrat Gottfried Müller in das Schwerpunktthema als PDF-Datei
Resolution der Landessynode im Wortlaut als PDF-Datei

Oberkirchenrat Gottfried Müller plädiert für "breites Bündnis der Vernunft"

Speyer. „Entscheidungen, die mit der Zukunft unseres Planeten samt seinen pflanzlichen, tierischen und menschlichen Bewohnern zusammenhängen, dürfen nur noch unter dem Gesichtspunkt der ökologischen, sozialen und entwicklungspolitischen Nachhaltigkeit getroffen werden“, sagte der für Umweltfragen zuständige Dezernent der Evangelischen Kirche der Pfalz, Oberkirchenrat Gottfried Müller, zur Einführung in das Schwerpunktthema der Frühjahressynode, „Bewahrung der Schöpfung“, am Freitag in Speyer.

Nachhaltigkeit habe neben einem aktuellen Aspekt, der sich auf die Gegenwart bezieht, auch einen zeitlichen Aspekt, der die künftigen Generationen in den Blick nimmt. Das wichtigste Ziel bestehe darin, dass Menschen mit durchaus unterschiedlicher weltanschaulicher und religiöser Prägung diese Überzeugung teilen, so Müller. „Es geht eben nicht nur um christliche Positionen, sondern um ein Überleben unseres Planeten, und dafür brauchen wir ein breites Bündnis der Vernunft und des guten Willens. Aber wir haben als Kirche hierzu Gutes und Gewinn bringendes beizutragen und können sogar in einigen Bereichen von Umwelt- und Klimaschutz Vorreiterin sein.“

Nur in der Verknüpfung der drei Faktoren Ökologie, Ökonomie und Politik unter dem Gesichtspunkt Gerechtigkeit, Zukunftsfähigkeit und Zusammenarbeit werde es möglich sein, die kommenden Herausforderungen zu meistern. Es reiche nicht aus, den verbreiteten Ansatz von Nachhaltigkeit so zu gestalten, dass er nur auf technische Lösungen zielt, bzw. nur Anreize zur Entwicklung entsprechender technischer Lösungen setzt, etwa durch Steuererleichterungen oder Einspeisevergütungen.

Vorrangig nannte Müller das Drei-Liter-Auto, Windenergie und Photovoltaik, das Bemühen um eine leistungsfähigere Landwirtschaft, einen umweltverträglichen Pflanzenschutz und gerechten Emissionshandel. „Wir brauchen ebenso pragmatische Konzepte, die das Verbrauchsverhalten, unsere Investitionen und den Einsatz regenerativer Energien in den Blick nehmen. Die entscheidende Wende muss in unseren Köpfen und Herzen stattfinden“, appellierte Müller. „Wir müssen mehr und mehr lernen, in zusammenhängenden Systemen zu denken, statt in getrennten Einzelteilen, und wir müssen erkennen, dass wir Menschen nicht der Natur gegenüberstehen, sondern unauflöslich mit den Pflanzen und Tieren verwoben sind. Das macht die biblische Erkenntnis, dass wir in der Schöpfung Gottes nur dauerhaft existieren können, wenn wir bereit sind, ihre und unsere Grenzen anzuerkennen, in der heutigen Zeit so bedeutsam.“

Der Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Dr. Hans Diefenbacher, sagte in seinem Referat zum Klimawandel: „Wir müssen von den hervorragenden Pilotprojekten, die es in vielen Kirchengemeinden schon gibt, in die Breite der kirchlichen Einrichtungen gehen. Dazu braucht es einen langen Atem.“

Viele Folgen des Klimawandels ließen sich nicht mehr verhindern, sondern nur noch begrenzen. „Wir müssen aus dem Ölzeitalter heraus, bevor die Ölvorräte erschöpft sind. Wir haben etwas Besseres, beispielsweise die Solarenergie.“ In dieser Situation sei es fahrlässig, nichts zu tun, so Diefenbacher. „Der Zeitpunkt für entschiedenes Handeln ist da.“ Diefenbacher riet, sich von dem Gedanken eines „ungebremsten Wirtschaftswachstums“ zu verabschieden und eine „Ökonomie der Genügsamkeit“, eine Ökonomie, die die Ressourcen schont, an seine Stelle zu setzen. (30.05.08)

Erneuerbare Energie: „Ökologisch und ökonomisch heizen – das geht!“

Speyer. Am Schwerpunkttag der Synode zum Thema „Bewahrung der Schöpfung“ wurden verschiedene Energiesparmodelle aufgezeigt. Mehrere Workshops beschäftigten sich mit Möglichkeiten der Energieeinsparung durch Gebäudedämmung, dem Umweltmanagement „Grüner Gockel“, Energiecheck und Energiemanagement oder Energiesparkonzepten, wie sie beispielsweise im Dekanat Kirchheimbolanden und in der Kirchengemeinde Miesau umgesetzt werden.

„Nachdem sich das Pfarramt Miesau im Oktober 2004 am Öko-Check Plus der Landeskirche beteiligt hatte, war klar, dass in Punkto Heizen etwas geschehen muss“, schildert Pfarrer Andreas Rummel die Vorgeschichte einer kompletten Umstellung in seiner Gemeinde. Ziel sei eine zentrale solarunterstützte Pelletheizung gewesen mit Nahwärmenetz für Pfarrhaus, Gemeindehaus und Kirche. Im März 2005 fiel der einstimmige Entschluss des Presbyteriums, im September 2005 ging die Anlage in Betrieb.

Im früheren Öltankraum des Pfarrhauses wurden das Pelletlager errichtet, im Heizraum des Pfarrhauses zwei Pelletkessel sowie ein Pufferspeicher installiert. Auf dem Pfarrhausdach wurden 12,5 Quadratmeter Hochleistungsröhrenkollektoren angebracht. Das Gemeindehaus und der Kindergarten wurden über den Hof mit einer unterirdischen Fernwärmeleitung verbunden und erhielten eigene Heizkreisregelungen sowie eine selbstständige Warmwasserbereitung, die mit dem Nahwärmenetz gespeist wird.

Gegenüber 2004 habe die Gemeinde 4.795 Euro Heizkosten gespart und 29,89 Prozent weniger Energie verbraucht. Zudem gebe es bei dieser modernen Pelletanlage kein Feinstaubproblem. Der Feinstaubausstoß liege um das Fünffache unter der ab 2014 geltenden Norm, so Rummel. Die Photovoltaikanlage auf dem Gemeindehausdach habe 2007 bei 807 Sonnenstunden 5.769 Kilowattstunden Stromeinspeisung und somit rund 3.146 Euro Einnahmen erbracht. Alles zusammen gerechnet, habe die Umstellung den Gemeinde-Haushalt um insgesamt 7.941 Euro entlastet. Demgegenüber seien für den KfW-Kredit und das zinslose Darlehen der Landeskirche 3.800 Euro jährlich zu tilgen.

Auch die Umwelt profitiert: Durch den Umstieg von Gas auf Pellets können jährlich 49 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, hat Rummel ausgerechnet. „Ich bin mir sicher, dass es in unserer Landeskirche noch oft solche Konstellationen gibt, die es erlauben, mehrere Gebäude gemeinsam zu beheizen. Darum möchte ich Ihnen Mut machen, jetzt zu investieren, denn in wenigen Jahren werden wir nicht mehr genug Geld haben, um unsere Energie, geschweige denn neue Technik zu bezahlen“, appelliert Rummel an andere Gemeinden, dem Beispiel zu folgen. Miesau habe bereits innerhalb von 15 Jahren die gesamte Anlagentechnik allein durch die Einsparungen bezahlt. Der Kapitalrückfluss der Photovoltaikanlage wiederum liege bei 10,7 Prozent. Das schaffe Spielraum für kirchliche Aufgaben. (30.05.08)

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